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Sex / Gender

Die wissenschaftliche Debatte zum Thema Geschlecht ist so lebendig wie kaum eine andere. In einigen Punkten besteht jedoch Übereinstimmung: Soziologisch betrachtet ist Geschlecht eine anerkannte Strukturkategorie. Demnach bestimmt unsere Geschlechtszugehörigkeit unsere gesellschaftliche Positionierung und welche Möglichkeiten wir haben.

Eng damit verknüpft ist die sozialpsychologische Ebene, wonach Geschlecht einen zentralen Teil unserer Identität ausmacht. Durch die Zuweisung "weiblich" oder "männlich" bei der Geburt hat Geschlecht schon sehr früh einen großen Einfluss auf die Identitätsentwicklung. Schließlich können wir feststellen, dass Geschlecht einen biologischen und einen sozialen Aspekt hat.

Sex und Gender

In der englischen Sprache wurde schon immer zwischen biologischem Geschlecht (Sex) und grammatischem Geschlecht (Gender) unterschieden.

Die Sexualwissenschaftler John Money und John Hampson adaptierten diese Begriffe im Kontext der medizinisch-psychiatrischen Diskussion um Transsexualität (1950er-Jahre). Mit Gender bezeichneten sie die Geschlechtsidentität und mit Sex das biologische Geschlecht. In den 1970er-Jahren wurde diese Unterscheidung von der Neuen Frauenbewegung aufgegriffen.

Die Unterscheidung von Sex und Gender argumentiert die Trennung von biologischem Geschlecht und sozialen Zuschreibungen. Aussagen wie "Frauen sind technisch unbegabt und Männer können von Natur aus nicht bügeln" wird damit jede Argumentationsgrundlage entzogen.

Ist biologisch alles eindeutig?

Wir könnten meinen, dass beim biologischen Geschlecht (Sex) alles eindeutig sei. Die biologische Forschung und die Medizin bieten schon seit den frühen 1970er-Jahren andere Antworten an: Die visuelle Geschlechtsidentifikation bei der Geburt ist nicht die einzige Möglichkeit, das biologische Geschlecht zu bestimmen. Vielmehr können wir Chromosomen, das Keimdrüsen- oder Gonadengeschlecht oder die Hormone untersuchen. Bei diesen Untersuchungen zeigt sich, dass eine streng biologische und zugleich eindeutige Geschlechtsdefinition nicht existiert. Daher können wir Geschlecht nicht als zwei entgegengesetzte und einander ausschließende Kategorien denken. Es geht darum, (auch) biologisches Geschlecht als Kontinuum zu verstehen.

Wie entsteht Gender?

Eine aus unserer Sicht für die Erwachsenenbildung bedeutsame Herangehensweise bietet der so genannte ethnomethodologische Konstruktivismus an. Danach sind alle alltäglichen Handlungen durch Gender geprägt. Wir leben Gender in unseren Handlungen und Interaktionen.

Durch gegenseitige Bestätigungen oder Abwertungen beeinflussen wir einander in unseren Genderinszenierungen. Demnach stellt Gender ein Konglomerat von Verhaltenserwartungen und Verhaltensentsprechungen dar. Der Prozess der Genderinszenierung wird in der Ethnologie auch als "Doing Gender" bezeichnet. Geschlecht ist somit nicht etwas, was wir haben, sondern etwas, das wir tun (vgl. Carol Hagemann-White).

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