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VIDA

Diskurstheorie

Diese Gendertheorie gründet auf Michel Foucaults Diskursbegriff und wurde vor allem durch Judith Butler Anfang der 1990er-Jahre im deutschsprachigen Raum bekannt. Diskurse sind nach Foucault Systeme des Denkens und Sprechens. Sie bilden privilegierte Orte der sozialen Konstruktion von Gender.

Nach Butler ist Gender vor allem in Diskursen der Rechtsprechung, der Naturwissenschaften und der Medizin verortet. Sie geben den Rahmen für unser Verständnis von Gender. Sprachliche Ausdrucksformen sind in diese Diskurse eingebettet und durch sie hervorgebracht. So werden wir erst durch den Diskurs der Zweigeschlechtlichkeit als Frauen und Männer benannt. Andere Möglichkeiten wie Transsexualität oder Intersexualität bleiben ausgeschlossen. Sie werden rechtlich nicht anerkannt.

Ziel dieses Ansatzes ist es vor allem, dualistische Prinzipien unseres Denkens aufzubrechen und Ausgeschlossenes zu integrieren und zu benennen, zur Sprache oder in den Diskurs zu bringen. Durch kreative Sprachnutzung und Sichtbarmachen des ungewollt Zum-Ausdruck-Gebrachten können wir Denk- und Sprechsysteme sukzessive verändern. Als Beispiel dafür kann die Veränderung der Sprache durch die Repräsentation von Frauen genannt werden.

Als zentraler Ort sprachlicher Vermittlung ist die Gewerkschaftsbewegung in diesem Zusammenhang gefordert, in ihrer Öffentlichkeitsarbeit und in ihrem Sprachgebrauch Diskursrezeptionen mit ihren Bedeutungen und Auswirkungen zu reflektieren. Was bedeutet es z. B., in Broschüren laufend von Alleinerzieherinnen zu sprechen und damit Reproduktionsarbeit ausschließlich Frauen zuzuschreiben, wenn auch Alleinerzieher betroffen sind?

 

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